Kaltgestauchte Zylinderstifte im Vergleich zu maschinell bearbeiteten Zylinderstiften
von Christie Jones, Leiterin der Marktentwicklung
Download dieses Technische PapierZylinderstifte sind gebräuchliche Verbindungselemente zum Ausrichten, Verbinden und Montieren mehrerer Komponenten. Zylinderstifte sind vor allem dort verwendbar, wo die Klemmkraft einer Schraube nicht erforderlich ist. Sie werden auch für spezielle Funktionen wie z.B. das Positionieren von Bauteilen, Scharnieren, manipulationssichere Konstruktionen usw. eingesetzt.
Zwei gängige Fertigungsverfahren zur Herstellung von Zyliderstiften sind Kaltstauchen und maschinelles Bearbeiten. Beide Verfahren führen zu qualitativ hochwertigen, gleichbleibenden Komponenten. Interessanterweise werden viele Außendurchmesser (AD) geschliffener Zylinderstifte nicht wirklich maschinell bearbeitet. Zur Herstellung eines geschliffenen Zylinderstifts ist es üblich, in einem zweiten Arbeitsgang die Aussendurchmesser kaltgestauchter Rohlinge zu schleifen.
Es ist wichtig, die Unterschiede zwischen Kaltstauchen und maschineller Bearbeitung zu verstehen, wenn man einen Zylinderstift für eine Baugruppe konstruiert, da das Herstellungsverfahren die Konstruktionsspezifikationen (Toleranzen, Geometrie und Material), die dem Zylinderstift zugeordnet werden können, direkt beeinflusst. Das Ziel dieses Papiers ist es, Konstrukteure über die Unterschiede zwischen Kaltstauchen und maschineller Bearbeitung aufzuklären, damit sie verstehen, wie man einen Zylinderstift konstruiert, der die Leistung optimiert und die Gesamtherstellungskosten der Baugruppe reduziert.
Übersicht maschinelle Bearbeitung
Unter Zerspanen versteht man das Zerspanen von Rohmaterial (Stab) in eine gewünschte Geometrie mit Hilfe von Schneidwerkzeugen. Dieser Vorgang wird typischerweise auf einer Drehmaschine durchgeführt. Bei der Bearbeitung entsteht Ausschuss in Form von Spänen.
Übersicht Kaltstauchen
Kaltstauchen ist der Prozess des Umformens von Rohmaterial zu einer gewünschten Geometrie, der durch Stauchen des Materials (Draht) in einem oder mehreren Werkzeugen erfolgt. Die gebräuchlichste Methode zur Herstellung von kaltgestauchten Verbindungselementen ist die Formgebung mittels einer Matrize und zwei Schlägen, da dies für die Herstellung von Fasen und Köpfen ausreicht. In den Matrizen sind Aussparungen vorhanden, die die gewünschte Geometrie formen, während ein Schlag den physikalischen Vorgang des Stauchens mit einem Maschinenhub beschreibt. Zusätzliche Werkzeuge und Schläge sind erforderlich, wenn die Geometrie komplexer wird. Die Materialmenge, die pro Schlag verdrängt werden kann, ist begrenzt.
Kaltstauchen beinhaltet manchmal ein Drahtziehverfahren, das das Material verfestigt und sowohl die Streckgrenze als auch die Zugfestigkeit erhöht. Gedrehte Stifte, die aus dem gleichen Grundmaterial hergestellt werden, haben geringere Streck- und Zugfestigkeit, da die Materialkornstruktur unterbrochen wird.
| VERGLEICH DER FERTIGUNG | ||
| Kaltstauchen | Mechanische Bearbeitung | |
| Qualität der Teile | ✔ | ✔ |
| Streckgrenze & Zugfestigkeit | ✔ | |
| Enge Toleranzen | ✔ | ✔ |
| Retentionsmerkmale | ✔ | ✔ |
| Ausschuss bei der Herstellung | X | |
| Komplexe Teilegeometrie | ✔ | |
| Große Länge / Stiftdurchmesser | ✔ | |
| Minimale Werkzeugkosten | ✔ | |
| Kurze Rüstzeiten | ✔ | |
| Hohe Taktzeiten | ✔ | |
| Niedrigste Gesamtkosten Zylinderstift | ✔ | |
| Geringste Kosten für die Herstellung der Bohrung | ✔ | |
Tabelle 1
Konstruktion Spezifikationen & Fertigungsmöglichkeiten von Zylinderstiften
Der erste Schritt bei der Gestaltung einer Verbindung ist die Festlegung der funktionalen Anforderungen an die Bauteilkomponenten und Verbindungselemente. Die Leistungsanforderungen sollten erreicht werden, ohne das Design zu sehr zu spezifizieren. Eine ideale Verbindung erfüllt Leistungs- und Qualitätsanforderungen mit geringstmöglichen Kosten. Die folgenden Informationen helfen den Konstrukteuren, die Leistungsmerkmale zwischen Kaltstauchen und mechanischer Bearbeitung in Bezug auf die Konstruktionsspezifikationen für Zylinderstifte und die Bohrungen der Bauteilekomponenten zu verstehen.
Übersicht Einpressstifte
Passstifte und Zylinderstifte werden in der Regel durch Einpressen in Bohrungen, die kleiner als der Stiftdurchmesser sind, in der Baugruppe gehalten. In den meisten Anwendungen müssen die Störeinflüsse auf ein Minimum reduziert werden, um die Einpresskräfte in Grenzen zu halten. Die zulässige Toleranz einer Presspassung für die meisten Metalle (Stahl, Messing und Aluminium) beträgt 0,0125 mm bis 0,025 mm. Da diese Toleranzschwelle die Summe der Toleranzen von Stift- und Bohrungsdurchmesser beinhaltet, müssen die Stifte präzise bearbeitet und die Bohrungen gerieben und/oder gehont werden. Dies hat zur Folge, dass die Durchlaufzeiten und Fertigungskosten bei der Bohrungsbearbeitung steigen.
Es ist auch wichtig zu erkennen, dass Scharniere mit freiem Sitz keine Presssitzbohrungen benötigen und keine engeren Toleranzen des Stiftdurchmessers als ± 0,025 mm.
| TOLERANZBEREICH Zylinderstift Außen-Ø | |||
| Fertigungsverfahren | Rohmaterial | Rohmaterial-kosten | Metrisch |
| Kaltstauchen | Draht | € | ± 0,025mm |
| maschinelle Bearbeitung | Standard Stangen | € | ± 0,0125mm |
| Stangen mit geschliffenem Außen-Ø | €€€ | ± 0,0025mm | |
Tabelle 2
Seitenansicht - zylinderstift kaltgestaucht und maschinell bearbeitet
Toleranz
Typischerweise ist der Außendurchmesser (AD) die kritischste Abmessung eines Zylinderstifts. Sowohl beim Kaltstauchen als auch bei der maschinellen Bearbeitung können die für die meisten Zylinderstift-Anwendungen erforderlichen Toleranzen eingehalten werden. In der Tat werden beim Kaltstauchen Zylinderstifte mit einer Gesamttoleranz des Außendurchmessers von 0,05 mm hergestellt (weniger als die Dicke eines menschlichen Haares). Bei der maschinellen Bearbeitung können engere Toleranzen beim Außendurchmesser als beim Kaltstauchen erreicht werden, was jedoch in der Regel einen speziellen geschliffenen Außendurchmesser erfordert. Dies sollte (wenn möglich) vermieden werden, da das geschliffene Stangenmaterial mehr als das Dreifache der Kosten eines Standard-Stangenmaterials betragen kann.
Bei der maschinellen Bearbeitung und dem Kaltstauchen von Zylinderstiften werden die gleichen Toleranzen von ca. ± 0,25 mm erreicht. Dies ist jedoch abhängig von der Stiftlänge.
Der Zweck einer Anfasung ist es, eine problemlose Montage zu ermöglichen. Ein Fasenwinkel zwischen 25° - 40° ist für die meisten Anwendungen von Zylinderstiften geeignet und ermöglicht eine maximale Anbindung an die Bohrung des Bauteils. Aus fertigungstechnischer Sicht ist der optimale Zerspanungswinkel (maschinelle Bearbeitung) 45°, während der optimale Umformwinkel (Kaltstauchen) 30° oder weniger beträgt.
Material
Die gebräuchlichsten Materialien für Zylinderstifte sind Kohlenstoff- und rostfreie Stähle. Die Rohmaterialien sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich, je nachdem, ob die Zylinderstifte maschinell bearbeitet (Stangen) oder kaltgestaucht (Draht) werden. Handelsübliche Materialqualitäten für Stangen und Draht können unterschiedlich sein. Die Stangen sind in den für die maschinelle Bearbeitung am besten geeigneten Materialqualitäten erhältlich, während der Draht in den für die Kaltstauchung geeigneten Materialqualitäten erhältlich ist. Obwohl die Materialqualitäten unterschiedlich sein können, ist es wichtig, dass gleichwertige Materialien für und maschinell kaltgestauchte bearbeitete Zylinderstifte zur Verfügung stehen. Daher sind die Werkstoffangaben auf den Zeichnungen nach bestem Wissen und Gewissen relativ allgemein gehalten (z.B. Kohlenstoffstahl der Härteklasse RC 27-33).
Tabelle 3 zeigt Beispiele einiger gängiger Werkstoffe für die Kaltumformung und Bearbeitung als Referenz.
| BEISPIELE FÜR GÄNGIGE MATERIALIEN NACH UNS-NORM | |||
| Material | Vorteil | Kaltgestaucht | Maschinell bearbeitet |
| Austenitisch (Nickel) rostfreier Stahl | Sehr gute Korrosionsbeständigkeit | 305, 302 HQ | 303 |
| Martensitisch (Chrom) rostfreier Stahl | Korrosionsbeständig, hohe Scherfestigkeit und Härte | 410 | 420 |
| Kohlenstoffarmer Stahl | Universell, niedrige Kosten | 1022 | 12L14 |
| Legierter Stahl | Hohe Scherfestigkeit und Härte | 6150, 4037 | 4150 |
| Aluminium | Korrosionsbeständig, geringes Gewicht, bleifrei | 5056 | 2024, 6061 |
Tabelle 3
Hinweis: Diese Liste enthält einige der gängigen Materialien (weitere sind verfügbar).
DURCHMESSERTOLERANZ GEGENÜBER ROHMATERIALKOSTEN
Grafik 1
Kostenvergleich - Kaltstauchen zu maschineller Bearbeitung
Maschinell bearbeitete Zylinderstifte sind in der Regel etwa zehnmal teurer als kaltgestauchte Zylinderstifte. Warum sind kalgestauchte Zylinderstifte so viel kostengünstiger?
- Beim Kaltstauchen werden Zylinderstifte mit einer Taktfrequenz von ca. 300 Teilen pro Minute (ppm) hergestellt, während es bei der maschinellen Bearbeitung nur ca. 4 ppm sind.
- Bei der maschinellen Bearbeitung entsteht Abfall. Daher wird für die maschinelle Bearbeitung eines Zylinderstifts mehr Rohmaterial benötigt als zum Kaltstauchen desselben Teils. Beim Kaltstauchen entsteht nur der Ausschuss, der beim Einrichten der Maschine anfällt.
- Im Aussendurchmesser geschliffene Stangen können mehr als dreimal so viel kosten wie Standard-Stangen, die für das maschinelle Bearbeiten eingesetzt werden.
Obwohl die maschinelle Bearbeitung teurer ist als das Kaltstauchen, sind die Rüstkosten für die maschinelle Bearbeitung deutlich geringer. Unternehmen, die sich auf die Standardisierung von Zylinderstift-Abmessungen festlegen, sind in der Lage, die Einrichtungskosten zu reduzieren, so dass die Kosten für die Kunden vernachlässigbar gering sind. Allerdings können die Einrichtungskosten bei Sonderanfertigungen, insbesondere bei geringen Stückzahlen, erheblich sein. Tabelle 4 zeigt die allgemeinen Unterschiede beim Einrichten zwischen Kaltstauchen und der maschinellen Bearbeitung.
Draufsicht - zylinderstift kaltgestaucht und maschinell bearbeitet
|
VERGLEICH RÜSTZEITEN |
||
| Kaltstauchen | maschinelle Bearbeitung | |
| Rüstzeit | 6 - 12 Std. | 2 - 4 Std. |
| Werkzeugkosten | ~4.255 € | ~426 € |
Tabelle 4
Fallstudie
Die folgende Fallstudie veranschaulicht die Unterschiede zwischen dem Kaltstauchen und der maschinellen Bearbeitung eines Zylinderstifts mit Kopf (Stiftrohling) mit 3 mm Durchmesser und 30 mm Länge. Wie in der folgenden Tabelle dargestellt, sind Rohstoffmenge und Produktionsrate (ppm) die Hauptfaktoren für den drastischen Kostenunterschied zwischen Kaltstauchen und maschineller Bearbeitung.
| FERTIGUNGSVERGLEICH für 25.000 Stk. Zylinderstifte mit Kopf 3mm x 30mm |
|||
| Fertigungsmethode | Kaltstauchen | maschinelle Bearbeitung | |
| Gefertigte Teile | Stk. | 25.000 | 25.000 |
| Beschreibung des Rohmaterials | - | Draht | Standard Stange |
| Benötigtes Rohmaterial (Gewicht) | kg | 8,6 | 26,3 |
| Rüstzeit | Std. | 6 - 12 | 2 - 4 |
| Gesamte Fertigungszeit | Std. | 1,4 | 104 |
| Abfall | % | <1% | 65% |
| Durchmessertoleranz | mm | ± 0,025mm | ± 0,0125mm |
| Kosten | - | ✔ | X |
Tabelle 4
Wann verwenden:
Einen maschinell bearbeiteten Zylinderstift
- Kleinserienteile nach Kundenvorgabe
- Sehr kritische Anwendungen zum Ausrichten
- Wenn funktionelle Anforderungen eine komplexe Stiftgeometrie erfordern
Einen kaltgestauchten Zylinderstift
- Überwiegende Anzahl der Anwendungen (da in den meisten Fällen keine Bearbeitungstoleranzen erforderlich sind)
- Freiliegende Achsen / Scharnierbolzen, wo die Stifte gleitend eingebaut werden
Fazit
Konstrukteure können die Leistung und die Gesamtherstellungskosten einer Verbindung optimieren, indem sie die Unterschiede zwischen kaltgepressten und maschinell bearbeiteten Zylinderstiften erkennen. Beide Fertigungsverfahren produzieren qualitativ hochwertige, gleichbleibende Teile. Allerdings gibt es erhebliche Kosten- und Leistungsunterschiede zwischen Kaltstauchen und maschineller Bearbeitung. Dieses Technische Papier kann als Nachschlagewerk dienen, um Konstrukteure bei der Erstellung von Konstruktionsspezifikationen für Zylinderstifte zu unterstützen. Es wird jedoch empfohlen, dass die Hersteller mit Industrieexperten zusammenarbeiten, um die kostengünstigste Lösung für ihre Montage zu finden.
Artikel ursprünglich verfasst von Jeff Greenwood
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